Sind blinde Menschen hypnotisierbar?

Diese Frage stellte sich mir, als sich Lydia zu einem Aufruf von mir meldete, der allgemein Abnehmwillige ansprach. Zuerst dachte ich: Oje, was mache ich da nur? Denn in der Hypnose wird sehr viel mit inneren Bildern gearbeitet. Aber dann war schnell klar, wieso denn nicht?

 

Bei der Hypnose haben die Klienten in der Regel eh ihre Augen zu, da braucht man nicht sehen können. Die Bilder, die bei Hypnosen beschrieben werden, müssen einfach nur anders formuliert werden. Zum Beispiel "das seichte Wasser aus dem Meer am sandigen Strand, welches Du über Deine Füße schwappen fühlst" anstelle "das Wasser aus dem blauen Meer, am weiten, weißen Sandstrand, welches Du als seichte Welle über Deine Füße schwappen siehst".

Auch blinde Menschen haben genügend Sinne, um die Welt um sich herum zu erfahren, die sie während der Hypnose in ihrer Vorstellung heranziehen können. Sind sie nicht von Geburt an blind und kennen Farben und Formen, dann ist es noch leichter für sie, hypnotisiert zu werden.

Lest selbst, wie Lydia ihre Sitzung beschreibt...

"Können blinde Menschen hypnotisiert werden?

 

Über Hypnose wusste ich nicht allzu viel. Ich stellte mir das so vor, dass mir jemand gegenüber sitzt und intensiven Blickkontakt mit mir pflegt. Und dadurch würde dann irgendwann durch irgendeine bestimmte Technik irgendwas mit mir gemacht. Tja und Blickkontakt bei mir als Blinde Frau? Das konnte man absolut vergessen.

(...)

Im Herbst 2016 stieß ich zufällig auf eine Anzeige. Es wurden Probanden zum Thema „Gewichtsreduzierung durch Hypnose“ gesucht. Aus einer spontanen Laune heraus schrieb ich zurück und äußerte meine Bedenken bezüglich meiner Sehbehinderung. Christiane, die den Aufruf gestartet hatte, schrieb mir zurück, dass sie kein Problem darin sehen würde. Und damit war meine Neugierde geweckt.

 

In den nächsten Tagen telefonierten wir. Dabei erklärte mir Christiane, dass nicht der Blickkontakt entscheidend ist, sondern vielmehr meine mentale Fokussierung auf die innere Ruhe. Und selbstverständlich würde vorher nochmal über die Details gesprochen. Es würde also nichts passieren, dass ich nicht möchte. Ich war ihre erste blinde Probandin. Und so waren wir beide gleichermaßen neugierig und vereinbarten einen Termin für eine Sitzung.

 

Wir trafen uns bei Christiane zuhause. Zuerst stellte sie mir einige Fragen zu meiner Person. Anschließend erklärte ich mich damit einverstanden mich von ihr hypnotisieren zu lassen. Und schlussendlich wurde über meine Ernährung gesprochen. Es ging darum festzustellen, was mich selbst störte und was während der Hypnose in meinem Unterbewusstsein noch mal verankert werden sollte. Danach konnte es losgehen.

 

Ich durfte mich in einen bequemen Sessel setzen, die Beine hoch legen und es mir so richtig bequem machen. Danach schloss ich die Augen und konzentrierte mich auf die Stimme von Christiane, die mir half mich zu entspannen. Dabei leitete sie mich an meine Aufmerksamkeit auf bestimmte Regionen meines Körpers zu richten, um diese zu entspannen. Da Loslassen nie so mein Ding war, fiel es mir zunächst etwas schwer. Aber nach und nach konnte ich mich darauf einlassen. Ich konzentrierte mich ausschließlich auf ihre Stimme, die sehr beruhigend war.

 

Sie begann nach der Einleitung mit einer Blockadenlösung, was üblicherweise am Anfang durchgeführt wird. Dabei wurde mein Unterbewusstsein angeleitet, alles, was es belastet „rauszukramen“ und loszulassen und es über meine Arme in meine offenen Hände, wie in eine Schale, fließen zu lassen. Mein Unterbewusstsein hat dann alles mit einer Handdrehung ausgekippt. Was es war, darüber wurde nicht gesprochen.

 

Über das, was mir weiterhin unter der Hypnose suggeriert wurde, möchte ich nicht sprechen. Erstens würde ich künftigen Interessenten etwas vorweg nehmen. Und zweitens ist mir das zu persönlich für einen Bericht, der für eine breite Öffentlichkeit bestimmt ist.

 

Nur soviel: Die Suggestionen bei diesem Thema, dem Abnehmen, gehen unter anderem sehr detailliert auf das Essverhalten ein.

 

Wichtig ist nur, dass ich während der gesamten Sitzung wach war und nie das Gefühl hatte, dass hier irgendwas passiert, dass ich nicht kontrollieren kann.

 

Ich habe an diesem Abend gelernt, dass Hypnose nicht sofort wirkt, sondern ca. zwei bis drei Tage braucht, bis das Unterbewusstsein das verarbeitet. Auch sollte man diese Suggestionen ein paarmal wiederholen, damit die Psyche sich das merkt. Gerade in Bezug auf lang erprobte und gefestigte Verhaltensmuster, die es zu durchbrechen gilt.

 

Abgenommen habe ich dadurch nicht. Das lag aber sicher nicht an der Hypnose, sondern daran, dass ich Medikamente nehme, die das etwas erschweren. Nichts desto trotz würde ich nicht mehr auf diese Erfahrung verzichten wollen. Und ich empfehle jedem das mal auszuprobieren. Und wen ich jetzt neugierig gemacht habe, der findet auf der Homepage von Hypnosezimmer alle weiteren Informationen zu dieser Thematik.“

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